Newsletter „Sustainable Finance Kompakt“ 02/2021

Liebe Mitglieder und Freunde des VfU,

anbei finden Sie den VfU Newsletter „Sustainable Finance Kompakt“ für den Monat Februar 2021.

Er bietet Ihnen Hinweise auf aktuelle Aktivitäten und Initiativen, neue Publikationen sowie interessante Veranstaltungen im Kontext von Sustainable Finance – aus der VfU Geschäftsstelle,
den VfU Mitgliedsunternehmen,
dem VfU Netzwerk und/oder
dem weiteren Umfeld (Politik, Aufsicht, Wissenschaft, Zivil-Gesellschaft etc.).
Wenn Sie zukünftig über unseren Newsletter entsprechende Hinweise zu den o.g. Themen mit der Community teilen wollen, senden Sie uns diese gerne zu, an: info@vfu.de.

Frühere Ausgaben unseres Newsletters finden Sie im Newsletter-Archiv.

Beste Grüße und bleiben Sie gesund,
Ihr VfU Team – Martin Hillenbrand, Henrik Ohlsen und Sven Remer

Aktivitäten & Initiativen

 

Aus der VfU-Geschäftsstelle

  • Neues VfU Mitglied: Hamburg Commercial Bank
    Wir begrüßen die Hamburg Commercial Bank als neues VfU Mitglied. Wir freuen uns, dass sie an Bord ist und wir gemeinsam das Thema Sustainable Finance voranbringen können.
  • Start der Arbeitsphase der PCAF Regionalgruppe D/A/CH/LI zum Kompetenzaufbau zur Messung finanzierter Emissionen
    Wie bereits im letzten Newsletter erwähnt, kooperieren VfU und PCAF (Partnership for Carbon Accounting Financials), um Finanzinstitute in der DACH Region bei der Messung und Offenlegung der finanzierten Emissionen ihrer Portfolios mittels des PCAF Standards zu unterstützen. Dabei setzen die Partner vor allem auf Peer Learning unter Praktikern, die kollektive Weiterentwicklung von Berechnungsmethoden, aber auch auf strategische Koalitionen mit Dritten rund um das Thema Datenqualität. Im Februar haben hierzu nun die ersten Workshops mit rund 25 beteiligten Finanzinstituten stattgefunden, getrennt in drei Subgruppen: „Aktien und Unternehmensanleihen“, „Gewerbeimmobilien & Hypotheken“ und „Unternehmenskredite, außerbörsliches Eigenkapital & Projektfinanzierung“. Bei Interesse an einer Teilnahme kontaktieren Sie uns bitte gerne: info@vfu.de.

Aus dem wissenschaftlichen Beirat

  • Prof. Klein und Prof. Wilkens (Januar 2021): „Welche Transformativen Wirkungen können nachhaltige Geldanlagen durch Verbraucherinnen und Verbraucher haben?
    Die beiden VfU Wissenschaftsbeiräte Prof. Dr. Marco Wilkens und Prof. Dr. Christian Klein erstellten im Auftrag des vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband) ein Gutachten zur Untersuchung der Nachhaltigkeits-Wirkung von Geldanlagen durch Verbraucher. Diese sollte sich in einem „additiven“ Beitrag zu transformativen (z.B. Taxonomie-konformen) Realinvestitionen manifestieren, die ohne diese Geldanlagen nicht getätigt würden.
    Im Kern kommt die Studie zu dem Schluss, dass als nachhaltig beworbene Geldanlagen zwar prinzipiell eine positive Nachhaltigkeits-Wirkung entfalten können, aber nicht sicher – und nicht direkt – zu mehr Nachhaltigkeit führen (müssen).
    Wahrscheinlicher seien hier, nach Ansicht der Autoren, indirekte Effekte auf Unternehmen, in die Geld angelegt wird. Sie können zum Beispiel aus Änderungen des Kaufverhaltens der Kunden resultieren, wenn diese in Verbindung mit ihrer Geldanlag für die Nicht-/Nachhaltigkeit von Unternehmen sensibilisiert werden. Dies wiederum könnte Einfluss auf Cashflows und Gewinne der Unternehmen haben, sodass diese veranlasst werden, ihre Investitionsprogramme anzupassen. Diese „indirekte Additivität“ der Geldanlagen sei zwar nicht oder kaum quantifizierbar, aber die Forscher vermuten, dass sie eine relativ große Relevanz haben könnte und dringend besser erforscht werden sollte.
    Zusätzliche direkte Effekte von Geldanlagen seien prinzipiell auch möglich. Sie könnten z.B. durch ein Rendite-Verzicht seitens der Geldanleger erreicht werden, wenn über günstigere Finanzierungskosten Investitionen in nachhaltige aber „eigentlich unrentable“ Projekte ermöglicht werden. Auch aktives Engagement von Anlegern mit „ihren“ Unternehmen, mit dem Ziel diese zu nachhaltigerem Verhalten zu veranlassen, könnte zu direkten Effekten der Geldanlage führen. Praktisch sei es jedoch sehr schwierig festzustellen, ob auf diesem Wege tatsächlich direkte transformative Wirkungen erzielt werden.
    Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass für Verbraucher Geldanlagen mit nennenswerten direkten transformativen Wirkungen durch einen Rendite-Verzicht, noch nicht in einem größeren Umfang zur Verfügung stehen.
    Finanzinstitutionen, die mit einer direkten Wirkung ihrer Finanzprodukte werben, sollten die Erzielung dieses Wirkung nachvollziehbar begründen. Darüber hinaus sollten unabhängige Einrichtungen solche Begründungen reflektieren und dieses beispielsweise mit einem Label für die Verbraucher transparent machen.Wie sich die Berücksichtigung von ESG Aspekten durch Anleger auf die Investment- und Unternehmens-Performance auswirkt, wird weiter unten in einem anderen Artikel behandelt (s. „Veröffentlichungen“ -> „ESG und Financial Performance“).
  • Prof. Popovic, HfT; Greensurance Stiftung (Februar 2021): Projekt NATIVE − Nachhaltigkeitsbewertung von Versicherungen
    Der VfU Wissenschaftsbeirat Prof. Dr. Tobias Popovic (Hochschule für Technik, Stuttgart, HfT) arbeitet aktuell gemeinsam mit der Greensurance Stiftung an dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten „NATIVE“-Projekt. Dessen Ziel ist die Entwicklung eines Nachhaltigkeits-Indikatoren-Systems für die Versicherungsbranche als Instrument zur Bewertung und Messung der Nachhaltigkeits-, Klimaschutz- und Klimaanpassungsleistungen“. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die Bereiche Beratung, Produkte, Kapitalanlagen und Schaden gelegt. Kunden sollen damit in die Lage versetzt werden zukünftig ihre, für sich am besten passende, nachhaltige und grüne Versicherung zu finden. Einen jüngst erschienenen Projekt-Steckbrief finden Sie hier.

Aus dem Netzwerk

  • CRIC (Februar 2021): Bericht „CRIC-Stimmungsbarometer 2020
    Zum zweiten Mal wurde mit dem CRIC-Stimmungsbarometer die Einschätzung zur transformativen Kraft ethisch-nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland und Österreich erhoben. Die Mehrheit der Befragten zeigt sich davon überzeugt, dass nachhaltige Geldanlagen einen Beitrag zu einer Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit leisten können. Dabei wird die EU-Politik mit Abstand als der wichtigste Akteur einer Förderung nachhaltiger Wirtschaftsweisen durch ethisch-nachhaltige Geldanlagen eingestuft und die Zivilgesellschaft als der wichtigste Treiber. Die größten Bremser hingegen werden in der nationalen Politik, der Realwirtschaft und der Finanzwirtschaft identifiziert.

Aus dem Umfeld

  • Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung: Endbericht Ende Februar 2021 erwartet
    Vor gut eineinhalb Jahren hat der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung seine Arbeit aufgenommen. Nun wird er Ende Februar (voraussichtlich am 25.2.) seinen Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen veröffentlichen. Er soll der Bundesregierung als Grundlage für die Entwicklung ihrer Sustainable Finance-Strategie dienen, mit dem Ziel Deutschland zu einem führenden Sustainable Finance-Standort zu machen und mithilfe des Finanzsektors sowohl die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen als auch die des Pariser Klimaabkommens zu realisieren.

Offene Konsultationen

VERÖFFENTLICHUNGEN

Jüngst erschienen sind folgende relevante Veröffentlichungen, von denen Sie die meisten  – nach Registrierung/Login –  auch in der VfU Mediathek finden, bewerten, kommentieren und teilen können:

Asset Management

  • Influence Map (Januar 2021): „Asset Managers and Climate Change 2021 – How the sector performs on portfolios, engagement and resolutions
    Diese von der Londoner Denkfabrik InfluenceMap durchgeführte Studie zeigt, wie sich die 30 größten Finanzunternehmen (mit AUM von insgesamt über 50 Billionen US Dollar) an das Pariser Abkommen halten – bewertet anhand von drei Kriterien: „Kohlenstoffintensität der Portfolios“, „Engagement für Klimaschutz bei investierten Unternehmen“ und „Unterstützung für klimarelevante Aktionärsanträge“. Für jede Firma wird auch eine Gesamtnote vergeben. Der Bericht zeigt gemischte Fortschritte. Insgesamt weichen die Portfolios der Asset Manager der Studie zufolge zwischen 8 und 27 % von einem Paris-konformen Portfolio ab, weil sie „braune“ Technologien über- und „grüne“ Technologien untergewichten. Jedoch schneiden europäische Firmen im Allgemeinen besser ab als ihre US-amerikanischen und asiatischen Kollegen. Unternehmen wie BNP Paribas, UBS und Legal & General Investment Management erhielten alle die Gesamtnote „A+“.

Aufsicht

  • ESMA (Februar 2021): „Strategy on Sustainable Finance
    Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat Anfang Februar ihre „Strategie für Sustainable Finance“ veröffentlicht. Sie legt dar, wie die ESMA das Thema Nachhaltigkeit in ihren Aktivitäten berücksichtigen wird, indem sie ESG Faktoren in ihre Arbeit einbezieht.
    Zu den wichtigsten Prioritäten der ESMA, die in der Strategie hervorgehoben werden, gehören:
    • Vervollständigung des regulatorischen Rahmens für Transparenzverpflichtungen über die Offenlegungsverordnung, inkl. Erarbeitung von technischen Standards gemeinsam mit EBA und EIOPA;
    • Berichterstattung über Trends, Risiken und Schwachstellen (TRV) der nachhaltigen Finanzwirtschaft, inkl. Indikatoren in Bezug auf grüne Anleihen, ESG-Investitionen und den Handel mit Emissionszertifikaten;
    • Nutzung der zur Verfügung stehenden Daten zur Analyse der finanziellen Risiken des Klimawandels, inkl. klimabezogener Stresstests in verschiedenen Marktsegmenten;
    • Konvergenz der nationalen Aufsichtspraktiken zu ESG-Faktoren mit dem Schwerpunkt auf Minderung des Risikos von Greenwashing, Verhinderung falscher Verkaufspraktiken und Förderung von Transparenz und Zuverlässigkeit bei der nicht-finanziellen Berichterstattung;
    • Teilnahme an der EU-Plattform für nachhaltige Finanzen, die die EU-Taxonomie entwickelt und die Kapitalströme für nachhaltige Finanzen überwacht; und
    • Sicherstellung der Einhaltung von ESG-Leitlinien in den Unternehmen, die die ESMA direkt beaufsichtigt.Um die Umsetzung ihrer Strategie zu unterstützen, hat die ESMA im Jahr 2019 ein Koordinationsnetzwerk für Nachhaltigkeit eingerichtet. Das Netzwerk setzt sich aus Experten der zuständigen nationalen Behörden und ESMA-Mitarbeitern zusammen. Es wird von einer beratenden Stakeholder-Arbeitsgruppe unterstützt, die in den kommenden Monaten eingerichtet wird.

Biodiversität

  • Biodiversity in Good Company (Februar 2021): „CBD-COP 15 verschoben
    Die 15. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD-COP 15), welche, nach einer ersten Verschiebung, für Oktober 2021 in Kunming/China geplant war, wird voraussichtlich verschoben. Ein neuer Termin befindet sich in Abstimmung. Auf der CBD-COP 15 sollen unter anderem neue Biodiversitätsziele für die Zeit nach 2020 beschlossen werden. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit Covid-19 wird der Zeitplan für diesen Prozess fortwährend angepasst.
  • Dasgupta, P. (Februar 2021): „The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review“
    Beauftragt von der britischen Regierung, hat Prof. Partha Dasgupta, ein bekannter Pionier der Umweltökonomie, seinen Bericht zum Thema „Wirtschaftliche Aspekte von Biodiversität“ veröffentlicht, von dem manche erwarten, dass er für das Thema Biodiversität so wichtig werden könnte, wie es der „Stern-Report“ für das Thema Klimawandel war.
    So weist der Bericht eindrücklich und fundiert auf die mit dem dramatischen Verlust an Biodiversität einhergehenden ökonomischen Risiken hin und beleuchtet auch die Herausforderungen für den adäquaten Umgang mit diesen Risiken. Mit Blick auf Finanzmarktakteure weist er z.B. auf die geringe Größe der meisten Schutz- und Wiederherstellungsprojekte als Hindernis für private Investitionen, ebenso wie den Mangel an standardisierten Daten und die begrenzte Erfolgsbilanz solcher Investitionen.
    Darauf aufbauend macht er eine Reihe von Empfehlungen an verschiedene Akteure. Regierungen sollten das Naturkapital in die nationalen Rechnungslegungssysteme integrieren, Unternehmen und Finanzinstitute ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen auf die Natur messen und offenlegen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass globale Standards, wie sie u.a. auch von der  neuen Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) angestrebt werde, erforderlich sind und dass Investoren ihre Auswirkungen auf die Natur in ihre treuhänderischen Pflichten einbeziehen sollten. Unternehmen und Finanzinstitutionen könnten verpflichtet werden, naturbezogene Überlegungen in ihre Ziele zu integrieren sowie ihre Nutzung des Naturkapitals zu bewerten und offenlegen.
    Als kürzere Hintergrundlektüre in diesem Themenzusammenhang empfiehlt sich auch der Artikel „How much is an elephant worth? Meet the ecologists doing the sums“, der im Januar im  Guardian erschien. Darin liefert Peter Greenfield eine gute Übersicht über die Entwicklung und aktuelle Diskussion zum Thema „Bepreisung von Natur-/Umweltgütern bzw. Ökosystemleistungen“, einem Ansatz, der zunehmend die Politik leitet aber auch auf Kritik stößt.
  • Global Canopy (Januar 2021): „The Little Book of Investing in Nature
    Die Erkenntnis, dass mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts von der Natur abhängt und dass die Finanzierungslücke für den Schutz unserer natürlichen Umwelt aktuell 824 Milliarden US-Dollar beträgt, hat die diesbezüglichen politischen Ambitionen deutlich erhöht. So wird erwartet, dass sich die Staats- und Regierungschefs auf dem UN-Gipfel (CDB-COP 15, s.o.) auf neue Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt für den Zeitraum 2021-2030 einigen werden.
    Vor diesem Hintergrund, bietet das Little Book of Investing in Nature einen einfachen Leitfaden für Regierungen und politische Entscheidungsträger, wie der Schutz der biologischen Vielfalt finanziert werden kann. Es fasst Informationen über eine Reihe innovativer Finanzprodukte und -dienstleistungen zusammen, die sowohl vom öffentlichen als auch vom privaten Sektor entwickelt wurden, um Investitionen von „natur-negativen“ Aktivitäten, wie z. B. intensiver Landwirtschaft oder der Förderung fossiler Brennstoffe, zu „natur-positiven“ Investitionsmöglichkeiten, z. B. in grüne Energie und natürliche Infrastruktur, zu lenken und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum fördern.
    Die vorgestellten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es in Zukunft zu einem erheblichen Anstieg der Finanzmittel des Privatsektors für die Natur kommen wird, was dazu beitragen kann, die Finanzierungslücke im Bereich der biologischen Vielfalt auf etwa 327 Mrd. USD zu verringern.
    Das Little Book stellt mehr als 40 Mechanismen und 25 Fallstudien vor, die zeigen, wie Regierungen, Banken und Nichtregierungsorganisationen, und manchmal auch Kombinationen aus allen dreien, den Wandel vorantreiben, und zeigt die Zunahme an technischem Fachwissen für die angemessene Bewertung und die Finanzierung des Schutzes von Natur.

Carbon Pricing / Carbon Risk Management

  • Taskforce on Scaling Voluntary Carbonmarkets (Januar 2021): „Final Report
    Die von Mark Carney (UN Sondergesandter für Klimaschutz) im Herbst 2020 initiierte Taskforce „Scaling Voluntary Carbon Markets“ ist eine von der Privatwirtschaft geführte Initiative, die an der Skalierung eines effektiven und effizienten freiwilligen Kohlenstoffmarktes arbeitet, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Die über 50 Mitglieder große Gruppe umfasst alle Teile der Wertschöpfungskette, darunter: Finanzinstitute, Käufer und Verkäufer von Emissionszertifikaten, Standardsetzer und Anbieter von Marktinfrastruktur. Sie lieferten Erkenntnisse aus ihren jeweiligen Fachgebieten. Außerdem wird die Taskforce von einer Konsultationsgruppe von Fachexperten aus ca. 120 Institutionen sowie durch eine Forschungskooperation mit McKinsey & Company unterstützt.
    Der nun, im Rahmen des World Economic Forums, vorgelegte Taskforce-Bericht identifiziert mehrere Wachstumshemmnisse, darunter das historisch bedingte mangelnde Klimabewusstsein und die fragmentierte Natur der bestehenden freiwilligen Märkte und Standards. Darauf basierend liefert der Bericht einen „Blueprint“ für das weitere Vorgehen und macht dafür verschiedenen Empfehlungen, organisiert in sechs Themenbereichen, die sich vor allem an den privaten Sektor, also an Unternehmen und Investoren, richtet.
    Die Arbeit der Taskforce stößt aber auch auf Kritik. So argumentiert ein vom Green Finance Observatory koordinierter Brief, dass Offsets bisher als „Ermöglicher der aktuellen Emissionen“ fungiert haben und dass die Arbeit der Taskforce „wie ein schwacher Versuch wirkt, Offsets zu rehabilitieren, angesichts der überwältigenden Beweise für ihr ökologisches Versagen und der dokumentierten sozialen Probleme“.

EMAS+

  • Evangelische Bank (Dezember 2020): „Rezertifizierung nach EMAS+
    Als bisher einziges Finanzinstitut ist die Evangelische (EB) Bank nach EMAS+ zertifiziert, und das nun schon zum dritten Mal in Folge. EMASplus basiert auf dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), erweitert das Umweltmanagement aber um die soziale und ökonomische Dimension zu einem ganzheitlichen Managementsystem. Die EB nutzt das EMAS+ System insbesondere für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess der immer tiefer greifenden Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in alle Geschäftsprozesse. Das zeigt sich u.a. darin, dass die Bank bereits vor einigen Jahren eine ambitionierte Klimastrategie veröffentlicht und sich zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens verpflichtet hat. Im Februar 2021 hat sie sich, als drittes deutsches Kreditinstitut, der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) angeschlossen, für die der VfU die D/A/CH/LI Regionalgruppe organisiert. Auch verfügt die Bank bereits seit längerem über eine nachhaltig orientierte Engagement Strategie. Mit der Gründung der EB-Sustainable Real Estate GmbH (EB-SRE), ebenfalls im Februar 2021, baut die EB ihre nachhaltige Immobilienkompetenz weiter aus und will eine prägende Rolle bei der Konzeption, Entwicklung und Realisierung von nachhaltigen Immobilienprojekten im kirchlichen und diakonischen Umfeld in Deutschland einnehmen. Schliesslich passt zum umfassenden Nachhaltigkeitsverständnis der EB auch, dass sie im Februar 2021 zum wiederholten Male als Top-Employer in Deutschland ausgezeichnet wurde, der das Wohl der Mitarbeiter ganz nach vorne stellt.

ESG und Financial Performance

  • Clark, C.; Whelan, T.; Atz, U. (Februar 2021): „ESG and Financial Performance: Uncovering the Relationship by Aggregating Evidence from 1,000 Plus Studies Published between 2015 – 2020
    Diese, von NYU Stern Center for Sustainable Business und Rockefeller Asset Management durchgeführte Metastudie untersucht die Beziehung zwischen ESG und finanzieller Performance in mehr als 1.000 Forschungsarbeiten aus den Jahren 2015 bis 2020. Dafür verwendet sie einen anderen Ansatz als frühere Meta-Analysen. Sie unterteilt die analysierten Artikel in solche, die sich auf die finanzielle Performance von Unternehmen konzentrieren, und solche, die sich auf die Investment-Performance konzentrieren. Weiterhin untersucht sie auch separat Artikel, die sich auf kohlenstoffarme Strategien in Verbindung mit der finanziellen Performance konzentrieren, um die Auswirkungen auf die finanzielle Performance durch die Linse eines einzelnen thematischen Aspekts zu verstehen. Im Ergebnis bestätigt diese umfangreiche Studie, trotz ihres neuen Ansatzes, die Ergebnisse zahlreicher älterer (Meta-) Studien, die zeigen, dass die Berücksichtigung von ESG Kriterien überwiegend mit positiver finanzieller Investment-Performance einhergeht.An dieser Stelle auch nochmal der Hinweis auf die Studie von Klein und Wilkens (Januar 2021) zu der Frage: Welche Transformativen Wirkungen können nachhaltige Geldanlagen durch Verbraucherinnen und Verbraucher haben? (s.o.: „Aus dem wissenschaftlichen Beirat“)

ESG und Investitionen in Reale Vermögenswerte

  • Kempen (Januar 2021): „Building for the future – A Data-Driven Approach to Measuring, Analysing and Monitoring Sustainability Risks and Opportunities in Real Assets
    Der Bau und Betrieb von Immobilien und Infrastruktur bildet das Rückgrat der Volkswirtschaften, Gesellschaften und Gemeinschaften, in denen die Menschen jetzt und in Zukunft leben und arbeiten werden. Der Sektor spielt eindeutig eine Schlüsselrolle für den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft und zur Realisierung der Energiewende. Entsprechende „Real Investitionen“, die ESG-Faktoren berücksichtigen, können Anlegern eine Quelle für langfristige Renditen bieten.
    Vor diesem Hintergrund schildert der Artikel, wie Kempen Capital Management (Kempen) prüft, ob Realinvestitionen effektiv ESG-Risiken managen und Chancen nutzen, und warum Kempen ESG-Daten in den Mittelpunkt seiner Anlageentscheidungen stellt. Dafür führt der Artikel verschiedene Beispiele an, die sich insbesondere auf die Verwendung von Daten zum Umwelt-Bereich (E) beziehen, deren Verfügbarkeit und Qualität aktuell noch deutlich besser ist als für den Sozialen und Governance -Bereich.

ESG Risiko-Analyse / Management

  • Breitenstein, M.; Nguyen, D.K.; Walther, T. (Januar 2021): „Environmental Hazards and Risk Management in the Financial Sector: A systematic Literature Review
    Dieser Artikel einer Gruppe internationaler Wissenschaftler, der im Journal of Economic Surveys erschienen ist, basiert auf einer systematischen Literaturrecherche zum umwelt- und klimabezogenen Risikomanagement im Finanzsektor. Er klassifiziert die aktuelle Literatur in drei Kategorien: (i)  Auswirkungen von Umweltbelangen auf das finanzielle Risiko; (ii) aktueller Stand der Umweltrisikopraktiken im Finanzsektor; und (iii) Maßnahmen zur Bewertung der finanziellen Exposition gegenüber Umweltrisiken. Das Ergebnis der Analyse weist darauf hin, dass Finanzinstitute ihre Risikoexposition durch ein hohes Engagement in Bezug auf Umweltverantwortung und -leistung reduzieren können. Darüber hinaus schafft die erhöhte Bereitschaft, klimabezogene finanzielle Risiken zu bewerten, Anreize für Unternehmensmanager, eine proaktivere Umweltpolitik und -praxis zu verfolgen.

ESG Scores

  • Steffen, T. (Februar 2021): „ESG scores: an outdated concept
    In diesem kurzen Artikel argumentiert Dr. Tom Steffen von Osmosis Investment Management, dass das Konzept der ESG-Scores – also die Aggregation von Hunderten von Indikatoren aus unterschiedlichen und komplexen Themenbereichen – veraltet ist. Dennoch verlassen sich die meisten Investoren ausschließlich auf die in den ESG-Scores hoch-aggregiert erfassten Informationen von externen Rating-Agenturen. Das schränke die Ermittlung der „wahren Preise“ ein. Das Marktethos „do your own research“ werde bei ESG oft vernachlässigt. Benötigt werde eine größere Vielfalt an Ansichten, um die vielen herausfordernden Aspekte von ESG zu berücksichtigen und nachhaltige Investitionen zu entwickeln. Wenn Investoren sich nicht nur mit den aggregierten Daten auseinandersetzten, würden sich Daten-Anbieter auf ihre primäre Rolle konzentrieren: das Sammeln und Verteilen von Nachhaltigkeitsdaten sowie, idealerweise, auf die Gestaltung gemeinsamer Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Investmentmanager sollten ihre nachhaltigen Anlagestrategien mithilfe von Modellen entwickeln, die ihre eigenen Erkenntnisse und Einschätzungen widerspiegeln, um „echtes“ ESG-Alpha zu generieren und um ihre ESG-Ansprüche zu rechtfertigen.

ESG Trends

  • ISS ESG (Februar 2021): Volatile Transitions: Navigating ESG in 2021 – Global Edition
    Der neue ISS ESG Bericht bietet eine interessante Ressource für Investoren, die sich mit den globalen und regionalen ESG-Themen und deren Auswirkungen auf verschiedene Anlagemärkte auseinandersetzen wollen. Der Bericht beschreibt zehn wichtige globale Trends, auf die sich verantwortungsbewusste Investoren nach Meinung von ISS bis 2021 konzentrieren werden, so z.B. 1) das erforderliche Engagement der Finanzmärkte für die wirtschaftliche Erholung nach COVID-19, 2) die Chancen für verantwortungsbewusste Investoren im Zusammenhang mit der Kopplung vieler Konjunkturprogramme mit Nachhaltigkeitszielen, 3) der regulatorische Druck als wichtiger Treiber für verantwortungsbewusste Anlagepraktiken sowie 4) das sich ständig erweiternde Spektrum an Themen, die verantwortungsbewusste Investoren täglich berücksichtigen müssen.

Inter-/nationale Klima-/Nachhaltigkeitsstrategie

  • EU Kommission (Februar 2021) „Summary Report of the Stakeholder Consultation on the Renewed Sustainable Finance Strategy – 8 April 2020 – 15 July 2020
    Dieser jüngst von der EU Kommission veröffentlichte Bericht fasst die Ergebnisse ihrer Konsultation aus 2020 zur erneuerten Sustainable Finance Strategie zusammen, die noch für Q1 2021 erwartet wird. Rund 650 Organisationen und Personen hatten sich an der Konsultation beteiligt.
    Das Feedback zur Strategie war im Allgemeinen positiv. Neben einer Reihe von Treibern für das Mainstreaming von Nachhaltigkeit im Finanzsektor werden aber auch verschiedene Herausforderungen identifiziert, darunter 1) Nicht-nachhaltige, kurzfristige Gewinnstreben und Greenwashing, 2) Vermeidung von sozialen und wirtschaftlichen Risiken im Zusammenhang mit dem Übergang und dem Management von „stranded assets“, 3) Die Verfügbarkeit, Vergleichbarkeit und Qualität von ESG Daten, 4) Komplexität des gesamten neuen regulatorischen Rahmens, 5) Sichtbarkeit der Pipeline-Projekte für Investoren, und 6) Notwendigkeit, die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in nachhaltige Finanzaktivitäten einzubeziehen.
  • Schweizer Bundesrat (Januar 2021): „Langfristige Klimastrategie 2050
    Der Schweizer Bundesrat hat die langfristige Klimastrategie der Schweiz Ende Januar 2021 verabschiedet – in Antwort auf das Abkommen von Paris, das alle Staaten zur Erarbeitung von Klimastrategien für den Zeithorizont bis 2050 aufruft. Ausgangspunkt für die Klimastrategie ist das Netto-Null-Ziel für 2050, das der Bundesrat im August 2019 beschlossen hat. Die Klimastrategie formuliert zunächst zehn strategische Grundsätze, die das klimapolitische Handeln der Schweiz in den kommenden Jahren anleiten und prägen sollen. Anschließend zeigt die Strategie für die Teilbereiche Gebäude, Industrie, Verkehr, internationale Luftfahrt, Landwirtschaft und Ernährung, Abfall, synthetische Gase sowie Finanzmarkt mögliche Klimaziele und Emissionspfade auf, wobei sie sich weitgehend auf die Ende November 2020 veröffentlichten  Energieperspektiven 2050+ des Bundesamtes für Energie stützt. Die langfristige Klimastrategie zeigt, dass die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 1990 um rund 90 Prozent vermindern kann. Die verbleibenden Emissionen müssen mit Negativemissionstechnologien ausgeglichen werden.

Klima-Risiko- / Szenario-Analyse

  • UNEP FI (Februar 2021): „The Climate Risk Landscape: Mapping Climate-related Financial Risk Assessment Methodologies
    Dieser Bericht bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen bei Drittanbietern von Klimarisikobewertungen seit Mai 2019, einschließlich neuer und aktualisierter Szenarien, methodischer Werkzeuge, wichtiger Richtlinien sowie eines Überblicks über die sich verändernde regulatorische Landschaft und mögliche Entwicklungen bis 2021. Der Bericht deckt sowohl physische Risiken als auch Transitionsrisiken ab. Jedoch finden sich die Hauptergebnisse zu physischen Risiken, die Ergebnisse einer Analyse der Methoden und Datenquellen für physische Risiken und Datenquellen im kürzlich von UNEP FI und Acclimatise veröffentlichten Bericht „Charting a New Climate“ (2020), der für das TCFD Banking Pilot Project Phase II von UNEP FI entwickelt wurde.
  • UNEP FI & Oliver Wyman (Februar 2021): „Decarbonisation and Disruption: Understanding the financial risks of a disorderly transition using climate scenarios
    Dieser Bericht zeigt auf, wie ausgewählte Sektoren – Öl- und Gas, Versorgung und Stromerzeugung, Metalle und Bergbau sowie Landwirtschaft – Transitions-Risiken ausgesetzt sind – und im Falle einer ungeordneten Transition hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft große Auswirkungen auf die Finanzstabilität hätten. Entsprechend müssen Finanzinstitute sich nicht nur gemeinsam mit ihren Geschäftspartnern auf die Transition vorbereiten, sondern auch über die richtigen Instrumente zur Risikobewertung verfügen. So umfasst der Bericht auch Fallstudien von Banken, die größere wirtschaftliche Risiken im Zusammenhang mit ungeordneten Übergangsszenarien im Vergleich zu geordneten Übergangsszenarien bestätigen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse entsprechender Szenario-Analysen für die einzelnen Sektoren vorgestellt – unterstützt von Oliver Wyman, einer führenden globalen Unternehmensberatung mit umfassender Risikoexpertise.
  • UNEP FI & Cicero (Februar 2021): „Pathways to Paris: A practical guide to climate transition scenarios for financial professionals „
    Dieser Bericht bietet einen praktischen Leitfaden für Finanzfachleute, die Klimaszenarien verstehen und anwenden wollen. In Zusammenarbeit mit dem Center for International Climate Research (CICERO), einer weltweit anerkannten Forschungseinrichtung für Klima und Klimafinanzierung, untersucht der Bericht die treibenden Annahmen und die sektorale Abdeckung der Modelle, die zur Erstellung von Klimaszenarien verwendet werden, sowie die Vorteile und Grenzen der Verwendung dieser Ansätze. Darüber hinaus enthält das Papier enthält auch eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Entwicklung und Anwendung von Integrierten Bewertungsmodellen (IAMs) durch Finanzinstitute, basierend auf den Perspektiven der teilnehmenden Banken, die die UNEP FI-Methode für Übergangsrisiken verwendet haben.

Offenlegung

  • European Supervisory Authorities (ESAs) (Februar 2021): „Final Report on draft Regulatory Technical Standards
    Nach einer Konsultationsphase im Sommer 2020, veröffentlichten die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) nun ihren Abschlussbericht mit Entwürfen der technischen Regulierungsstandards (RTS) zu Inhalt, Methodik und Darstellung nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen gemäß der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Die RTS-Entwürfe beziehen sich auf mehrere Offenlegungspflichten unter der SFDR. Sie umfassen u.a. 18 verpflichtende und mehrere freiwillige Indikatoren für nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen sowie Vorlagen für vorvertragliche Informationen und regelmäßige Berichte für Finanzprodukte, die ökologische und soziale Merkmale bewerben und nachhaltige Investitionen. Auch werden Angaben für die Offenlegung von Informationen auf der Webseite gemacht.
    Der Entwurf wird voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Monate von der EU Kommission angenommen und die Umsetzung der RTSs soll Anfang 2022 starten – während die Offenlegungsverordnung selbst bereits ab 10. März 2021 anzuwenden ist.
    Die ESAs planen, vor dem Anwendungsdatum der SFDR eine öffentliche aufsichtliche Erklärung abzugeben, um eine effektive und konsistente Anwendung der Anforderungen der SFDR und eine konsistente nationale Aufsicht der SFDR zu erreichen. Die ESAs werden außerdem Entwürfe für Regulierungsstandards für die Berichtspflichten von Artikel 8- und Artikel 9-Produkten im Zusammenhang mit der Taxonomie vorlegen und dazu konsultieren.

Taxonomie

  • EBF & UNEP FI (Januar 2021): „Testing the application of the EU Taxonomy to core banking products: High level recommendations
    Dieser Bericht von UNEP FI und Europäischer Bankenvereinigung (EBF) untersucht, inwieweit die EU-Taxonomie auch auf Kernbankprodukte zu Kennzeichnungs- oder Offenlegungszwecken angewendet werden könnte. Er ist das Ergebnis eines Projekts mit 26 Großbanken, sieben Bankenverbänden und fünf Beobachtungsorganisationen, die zusammenarbeiten, um die Komplexität der Anwendung der EU-Taxonomie, die sich hauptsächlich an Investoren richtet, auf Kernbankprodukte zu testen, zu pilotieren und zu bewerten. Sie testeten, von März bis August 2020, die EU-Taxonomie an mehr als 40 aktuellen oder kürzlich abgeschlossenen Transaktionen und bestehenden Kundenbeziehungen, die ein breites Spektrum an Sektoren und wirtschaftlichen Aktivitäten sowie eine Vielzahl von Bankprodukten, Unternehmensstrukturen und geografischen Standorten umfassten.
    Der Bericht teilt die wichtigsten Erkenntnisse aus den gesammelten Informationen, einschließlich 26 Fallstudien und anschließenden Diskussionen zwischen den teilnehmenden Banken. Darüber hinaus schlägt er übergeordnete Prinzipien für die Anwendung der EU-Taxonomie auf das Privatkundengeschäft, die Kreditvergabe an KMU und das Firmenkundengeschäft, einschließlich Handels-, Export- und Projektfinanzierung, vor.
    In der Summe sehen die beteiligten Banken die EU-Taxonomie im Allgemeinen als positive Initiative zur Stärkung der nachhaltigen Finanzwirtschaft. Jedoch werden auch Herausforderungen bei der Anwendung der EU-Taxonomie thematisiert, so z.B. mit Blick auf Privatkundenkredite, Handelsfinanzierungstransaktionen und Allzweckfazilitäten. Die (fehlende) Verfügbarkeit und Qualität von Daten und Informationen erweist sich als  schwierigste Herausforderung bei der Bewertung der Do No Significant Harm (DNSH)-Kriterien. Darüber hinaus rechnen die Banken mit operativen Schwierigkeiten bei der Bewertung und Klassifizierung von Multisektor-Kunden, bei der Bewältigung der zunehmenden Dokumentationsanforderungen und bei der Aufrüstung der IT-Prozesse.

Net-Zero / Paris-Alignment

  • Agora Energiewende, Roland Berger, Stiftung 2 Grad (Februar 2021): „Klimaneutralität 2050: Was die Industrie jetzt von der Politik braucht
    Diese Studie, die in Kooperation mit 17 führenden deutschen Industrieunternehmen entwickelt wurde, identifiziert zwölf konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik – Maßnahmen, um die Industrietransformation hin zu Klimaneutralität voranzubringen und damit den Industriestandort Deutschland zu sichern. Wie die Studie zeigt, beinhaltet schnelles politisches Handeln zudem eine Chance für Deutschland, internationale Technologieführerschaft auf dem Gebiet CO₂-armer Schlüsseltechnologien zu übernehmen. Der vorgeschlagene Instrumentenmix forciert Klimaschutz entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette: Von langfristig wettbewerbsfähigen Strompreisen über den Ausgleich von Mehrkosten von klimaneutralen Schlüsseltechnologien über sogenannte Carbon Contracts for Difference bis zu Abnahmegarantien für klimaneutrale Produkte, etwa bei öffentlichen Bauvorhaben.Im Rahmen der UNEP FI & Climate-KIC Serie „Aligning Finance For The Net-Zero Economy: new ideas from leading thinkers“ erschienen jüngst zwei lesenswerte Artikel, mit einem etwas längerfristigen Ausblick:
  • Roberts, R. Elkington, J. (Volans) (Februar 2021): „Innovation And Transformation: What It Will Take To Finance Net Zero
    In diesem Papier wird untersucht, was es wirklich bedeutet, die globalen Finanzen auf das Pariser Abkommen auszurichten – und insbesondere auf das im Sonderbericht des IPCC über die globale Erwärmung von 1,5°C skizzierte Low Energy Demand (LED)-Szenario. Die zur Erreichung dieser Ziele erforderliche Transformation sei 0historisch beispiellos und erfordere einen dramatischen und nachhaltigen Rückgang sowohl der Emissionen als auch der Energienachfrage. Nur ein systemischer Wandel, vergleichbar mit der technologischen Revolution, die wir in den letzten 30 Jahren erlebt haben, ist nach Ansicht der Autoren in der Lage, solche Ziele zu erreichen. Die Autoren argumentieren, dass dieser Paradigmenwechsel bereits im Gange ist, und skizzieren vier „unbequeme Wahrheiten“ für Finanzinstitute über den Übergang. Der Bericht schließt mit einer Reihe von Empfehlungen, wie die Finanzindustrie, die Finanzaufsichtsbehörden und die Wirtschaftsakteure reagieren sollten, basierend auf Prämisse, dass die Finanzwelt so handelt, als sei die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5°C ein wichtiges Ziel an sich.
  • Thomä, J.; Schönauer, A. (Two Degrees Investing Initiative, 2DII) (Februar 2021): „Finance 2030: A Time Travel Exercise
    In diesem Artikel skizzieren die Autoren die vier Hauptmerkmale bzw. Trends, die den Finanzsektor im Jahr 2030 definieren werden: Control, Automated, Local, Low-carbon & resource (kurz: CALL) sowie die damit verbundenen Risiken und Chancen der Welt von morgen. Während sich einige der identifizierten Trends bereits abzeichnen und andere unvorhergesehene Realitäten im Laufe des kommenden Jahrzehnts auftauchen könnten, behaupten die Autoren, dass die Implikationen wahrscheinlich über eine Reihe von Szenarien hinweg Bestand haben werden.
    Der Bericht will zeigen, wie diese Ideen unsere Zukunft prägen werden und welche Folgen dies für Finanzinstitute sowie für Aufsichtsbehörden und Zentralbanken, die diese Institute überwachen und regulieren, haben kann.

Versicherung

  • McKinsey (Dezember 2020): „How insurance can help combat climate change
    Dieser Artikel ist ein Transkript einer Folge des „Reimagine Insurance Podcast“, in dem McKinsey Senior Partner Kurt Strovink eine Diskussion mit den Senior Partnern Kia Javanmardian und Dickon Pinner und Partner Antonio Grimaldi über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Versicherungsbranche führt. Er macht deutlich, dass die Versicherungsbranche beim Übergang zu einer grünen Wirtschaft eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, indem sie die Beteiligten beim Risikomanagement unterstützt.
  • UNEP FI & PSI (Januar 2021) „Insuring The Climate Transition: Enhancing The Insurance Industry’s Assessment Of Climate Change Futures“
    Für diesen Bericht hat UNEP FI mit 22 führenden Versicherern und Rückversicherern aus der ganzen Welt kooperiert, um den ersten umfassenden Leitfaden für die Versicherungsbranche zur Identifizierung und Offenlegung der Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft (nach den Empfehlungen der TCFD) zu entwickeln und zu pilotieren.
    Dabei war es das übergeordnete Ziel dieses Pilotprojekts, zur Entwicklung konsistenter und transparenter Analyseansätze beizutragen, die zur Identifizierung, Bewertung und Offenlegung von mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen in Versicherungsportfolios verwendet werden können. In diesem Zusammenhang macht der Bericht auch deutlich, dass die Versicherungsbranche die Risiken des Klimawandels nicht nur auf versicherungstechnischer Ebene, sondern auch in Bezug auf ihre Kapitalanlagen ganzheitlich bewerten muss. Entsprechend bewertet das Projekt klimabedingte physische, Transitions- und Prozessrisiken in Underwriting-Portfolios, wobei der Schwerpunkt auf der Szenarioanalyse liegt.

Zum Schluss …

  • EU Parlament (2021)“ Legislative train schedule – Fit for 55 package under the European Green Deal
    Für die wenigen unter uns, denen Regulatorik manchmal ein wenig unübersichtlich und schwer verdaulich erscheint, hat das Europäische Parlament einen (etwas) spielerischen – und leichter verdaulichen – Überblick über die Fahrpläne des Legislativ-Zuges in Richtung der zehn Prioritäten der Europäischen Kommission geschaffen.

VERANSTALTUNGEN

VfU Veranstaltungen

Bisher terminierte Veranstaltungen in Q1/2 (weitere folgen demnächst):

  • 24.02.2021 | Call | VfU Aktuell | nur für VfU Mitglieder
  • 26.02.2021 | Mitgliederversammlung | Mitgliederversammlung 2021 | nur für VfU Mitglieder
  • 17.03.2021 | Call | Regulatorik Aktuell (mit EY) | nur für VfU Mitglieder
  • 31.03.2021 | Call | VfU Aktuell | nur für VfU Mitglieder
  • (tba).03.2021 | Call | ESG Risiko Monitor zu „Biodiversität“  (mit NKI) | nur für VfU Mitglieder
  • 14.04.2021 | Call | Regulatorik Aktuell  (mit EY) | nur für VfU Mitglieder
  • 19. – 20.04.2021 | Seminar | Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (Basis-Modul) | (mit N-Motion)
  • 20.04.2021 | WS | PCAF D/A/CH/LI | Regionalgruppen 1,2 und 3
  • 28.04.2021 | Call | VfU Aktuell | nur für VfU Mitglieder
  • (tba).04.2021 | Workshop | Sustainable Finance Management | nach Anmeldung
  • (tba) 04.2021 | Stakeholderdialog | EZB im Dialog: Der Klimaleitfaden der EZB in der praktischen Umsetzung (in Planung)
  • 19.05.2021 | Call | Regulatorik Aktuell  (mit EY) | nur für VfU Mitglieder
  • (tba).05.2021 | Call | ESG Risiko Monitor (mit NKI) | nur für VfU Mitglieder
  • 16.06.2021 | Call | Regulatorik Aktuell  (mit EY) | nur für VfU Mitglieder
  • 26.05.2021 | Call | VfU Aktuell | nur für VfU Mitglieder
  • 30.06.2021 | Call | VfU Aktuell | nur für VfU Mitglieder

Weitere Informationen zu diesen und zukünftigen VfU Veranstaltungen finden Sie unter der entsprechenden Rubrik auf der VfU Homepage.

Veranstaltungen Dritter

Aktuelle Informationen zu kommenden Veranstaltungen Dritter finden Sie auch unter der entsprechenden Rubrik auf der VfU Homepage.

SONSTIGES

In eigener Sache

Zum Schluss nochmal die Bitte um Feedback und Anregungen zu unserem Newsletter sowie um Hinweise und Meldungen aus Ihren Häusern für die nächsten Newsletter – die Sie uns gerne jederzeit zusenden können, an: info@vfu.de

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