COP 26 Sammelthread

COP 26 Sammelthread

Die Entscheidungen die auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP 26) getroffen werden haben einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Sustainable Finance und damit direkte Auswirkung auf die Arbeit der Sustainable Finance Professionals. Es ist nicht leicht in der Fülle an Informationen und stattfindenden Veranstaltungen die relevanten und interesanten heraus zu filtern. Der VfU stellt im Folgenden die für den Sustainable Finance Bereich interessanten und relevanten Informationen und Veranstaltungen in Form einer unkommentierten Liste zusammen.

Letzte Aktualisierung: 13.11.2021, 15:40

Allgemein

Side Events der EU

Vor allem am Donnerstag 04.11. finden relevanten Veranstaltungen zu Sustainable Finance und am Mittwoch 03.11. zu Biodiversität statt.

Begleitende Informationen

News und Informations Sammlung 

Bericht von Responsible Investor zu „COP26 & The EU Sustainable Finance Agenda: The Starting Line For The Next Decade“

The Economist hat vor dem Klimagipfel ein Video dazu veröffentlicht, wie eine Welt bei einer globalen Erwärmung um 3 Grad aussehen könnte.

Teilnehmenden Liste

Neuigkeiten

01.11.2021 – Fokus: Auftakt

Es gibt keinen Weg, die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, ohne dass China die Verwendung von Kohle verringert. Doch wie chinesische Beamte häufig betonen, sind es die USA, deren Weg zur Industrialisierung den Löwenanteil der historischen Emissionen verursacht hat.

Während die Öffentlichkeit hohe Erwartungen an die COP26 hatte, ist Chinas Staatschef Xi Jinping nicht zu den Klimagesprächen erschienen, und der Plan des Landes zur Emissionsreduzierung lässt noch immer Details vermissen. Im Vorfeld des Klimagipfels hat China zudem den Bau von Kohlekraftwerken forciert. Inmitten einer beispiellosen Energieknappheit nimmt das Land stillgelegte Kohleminen wieder in Betrieb und plant oder entwickelt 247 zusätzliche Gigawatt Kohlekraftwerke (fast das Sechsfache der gesamten deutschen Kohleflotte). Dies lässt Zweifel an Chinas Klimazusage aufkommen, da die Notwendigkeit besteht, Fabriken am Laufen zu halten und Häuser zu heizen.

Auf der anderen Seite ist China bereits weltweit führend bei erneuerbaren Energien und hat in den letzten Jahren mit großzügigen staatlichen Subventionen einen Boom bei Elektrofahrzeugen ausgelöst. Schließlich sieht China den Klimawandel auch als Geschäftschance für seine Industrie.
Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft könnte das chinesische BIP um 5 % steigern.

02.11.2021 – Fokus: Wald

Über 100 Staaten verpflichten sich, bis 2030 die Entwaldung zu stoppen. Dafür wollen reiche Länder und Investoren fast 20 Milliarden Dollar geben. Die Länder, die sich an den Vorhaben beteiligen, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche.

Indien kündigt an bis 2070 klimaneutral zu werden.

03.11.2021 – Fokus: Finanzen

Das für Netto-Nullwachstum zugesagte Kapital beläuft sich Stand 03.11.2021 auf über 130 Billionen Dollar, gegenüber 5 Billionen Dollar bei Übernahme der COP26-Präsidentschaft durch Großbritannien und Italien. Die Finanzmittel liegen damit in der Größenordnung die für einen Übergang zur Erreichung von 1,5°C erforderlich sind.

Die auf dem COP26 gemachten Zusagen zu den Treibhausgasemissionen würden den globalen Temperaturanstieg auf circa 1,9°C also unter 2°C begrenzen. Dabei bleibt allerdings zu berücksichtigen, dass diese Berechnungen nur eine Zuverlässig von 50 – 60% haben. Weitere Ambitionen hin zum 1,5°C bleiben nötig.

Rishi Sunak macht Londoner Netto-Null-Versprechen und kündigt an, dass London das erste Netto-Null-Finanzzentrum der Welt werde.

Frankfurt wird Sitz des International Sustainability Standards Board (ISSB), einer neuen internationalen Organisation, die Nachhaltigkeitsstandards für Finanzberichte entwickeln soll.

NGFS bekräftigt in der „Glasgow Declaration – Committed to Action“ die Bereitschaft, zu den globalen Maßnahmen beizutragen, die erforderlich sind, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreiche.

Das CDP erörtert, was nötig ist, um die Finanzströme in Richtung Netto-Null zu lenken und welche Themen die Diskussionen beherrschen sollten.

Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) legt einen neuen Fonds in Höhe von 2,5 bis 3,5 Mrd. USD auf, der Kohlekraftwerke in Indonesien, den Philippinen und Vietnam aufkauft, um sie vorzeitig abzuschalten, und verfolgt damit einen neuen Ansatz für die Energiewende.

Climate Vulnerable Forum (CFV) spricht sich für eine Abgabe auf CO2 in der Schifffahrt aus. Über Preise von 100 US-Dollar pro Tonne sollen beim nächsten Treffen der IMO diskutiert werden. Teile der Branche selbst befürwortet eine CO2-Steuer von 150 US-Dollar pro Tonne.

04.11.2021

2032 ist Schluss. Wollen die Staaten das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimavertrag einhalten, reicht das globale CO2-Restbudget mit einer 50% Chance nur noch elf Jahre. Soll die Klimakatastrophe wirklich abgewendet werden, muss der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas viel schneller gehen.

Wichtige Kohle-Länder wie die Ukraine und Polen sind auf dem Glasgower Klimagipfel Initiativen zum Kohleausstieg beigetreten. Die beschleunigte Abkehr vom klimaschädlichsten Energieträger strahlt auch auf Deutschland aus.

06.11.2021

Das lang erwartete Thema Carbon Trading (CO2 Zertifikate Markt) steht auf der Agenda. Eine Einigung über den internationalen Emissionshandel ist ein wichtiger Maßstab für den Erfolg der COP26 und wäre ein großer Erfolg, da dieses Thema seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens im Jahr 2015 anhängig ist.

Das Schlagwort lautet Artikel sechs, und es geht um zwei Arten des Kohlenstoffhandels. Bei der einen handelt es sich um den Austausch von Emissionsgutschriften zwischen den Ländern, bei dem ein Land ein anderes Land dafür bezahlt, dass es in seinem Namen Emissionen reduziert. Bei der anderen geht es um Kompensationen, die von öffentlichen und privaten Akteuren gehandelt werden.

290 Textpassagen im Artikel 6 sind zum aktuellen Stand noch in Klammern gefasst. Um die Verhandlungen abschließen zu können müssen all diese Klammern aufgelöst werden.

Während auf der COP26 verhandelt wird, demonstrieren 100.000 Menschen aus Gewerkschaften, Landwirte, Gruppen für die Rechte indigener Völker und schottische Separatisten in Glasgow für dringendere Klimaschutzmaßnahmen.

07.11.2021

China hat Leitlinien zur Verringerung der Umweltverschmutzung und zur Senkung der Kohlendioxidemissionen herausgegeben.
In den Leitlinien wurden einige Ziele aus einem früheren Fahrplan zur Begrenzung der Kohlenstoffemissionen vor 2030 bekräftigt, darunter die Senkung der Kohlendioxidemissionen pro BIP um 18 % im Jahr 2025 im Vergleich zu 2020.
Angeblich hängen die aktuellen Schwankungen in der chinesischen Stromversorgung mit dem Versuch zusammen im Vorfeld der COP26 die Emissionen zu senken.

Erster Blick auf das Endergebnis: Die Organisatoren der COP26 haben einen ersten Entwurf (pdf) von „1/CP.26“, der Erklärung, die die Ergebnisse des Gipfels und die nächsten Schritte zusammenfassen wird, veröffentlicht. Der genaue Wortlaut dieses Dokuments (die Worte „fossile Brennstoffe“ kommen nicht vor) wird einer der heißesten Streitpunkte dieser Woche sein.

08.11.2021 – Fokus: Loss & damage

China und die Europäische Union haben in der vergangenen Woche einen Bericht darüber veröffentlicht, wie sie nachhaltige Finanzierungen klassifizieren. Die „Common Ground Taxonomy“ wurde von einer Arbeitsgruppe unter dem gemeinsamen Vorsitz der Europäischen Kommission und der chinesischen Zentralbank verfasst und beschreibt die Bemühungen von 26 Ländern oder Gruppen von Ländern um eine Taxonomie. Insgesamt umfasst der Markt 35 Billionen Dollar für nachhaltige Finanzen.

„Eines der Hauptprobleme bei der globalen grünen Finanzierung ist, dass es zu viele Standards gibt“, sagte Xie Wenhong, Leiter der Climate Bonds Initiative in China. Wenn zwei große Volkswirtschaften einen Konsens über Standards für grüne Finanzierungen erzielen, ist das für den Rest der Welt von großer Bedeutung“, sagte er.

Die Entwicklung ist insbesondere daher interessant und relevant, da andere Verhandlungen (Freihandel) zwischen China und der EU erst vor kurzer Zeit auf Eis gelegt wurden.

In dieser Woche steht unter anderem das Thema Emissionshandel auf der Agenda. Die Teilnehmenden bereitet sich auf harte Verhandlungen und Nachtschichten vor.

Hunderte von Lobbyisten für fossile Brennstoffe sind auf der COP26-Klimagespräche anwesend. Laut einer Analyse von global witness, die von der BBC aufgegriffen wurde, gibt es auf der COP26 mehr Delegierte, die mit der fossilen Brennstoffindustrie in Verbindung stehen, als aus einem einzelnen Land.

Die Vertragsparteien auf der COP26 verwenden laut Washington Post fehlerhafte Daten über Treibhausgasemissionen, da viele Länder den Vereinten Nationen zu wenig über ihre Emissionen berichten.

Die Zeitung hat die Berichte aller 196 UN-Mitgliedsstaaten analysiert und eine „riesige Lücke“ zwischen den erklärten und den tatsächlichen Emissionen der Länder aufgedeckt, die zwischen 8,5 Milliarden und 13,3 Milliarden Tonnen an nicht gemeldeten Emissionen pro Jahr liegt.

In der zweiten Woche fordern arme Länder, die unter Dürre oder Flut leiden, von reichen Ländern einen Ausgleich.

Rabobank, Santander, Wells Fargo und Barclays gehören zu den Banken, die ihre Kräfte in der neuen Initiative Banking for Impact on Climate in Agriculture (B4ICA) bündeln, um ihre Kunden aus dem Lebensmittel-, Landwirtschafts- und Landnutzungssektor bei der Umstellung auf Netto-Null zu unterstützen. Der vom VfU unterstützte Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) Standard arbeitet mit dieser Initiative zusammen. 

Ab nächstem Jahr soll kein Geld mehr in ausländische Öl, Gas- und Kohleprojekte fließen. Das hatten 25 Länder auf der Uno-Klimakonferenz versprochen. Deutschland ist bisher noch nicht mit dabei.

Die Europäische Union wird wahrscheinlich mit einer Gegenreaktion der Investoren rechnen müssen, wenn sie Erdgas und Kernenergie in ihr grünes Regelwerk, die sogenannte EU-Taxonomie, aufnimmt.

Die von den Vereinten Nationen einberufene Net-Zero Asset Owner Alliance, die Teil des in der vergangenen Woche angekündigten 130-Billionen-Dollar-Klimaabkommens der Finanzindustrie ist, schrieb in einem noch nicht fertig gestellten Dokument, dass sie sich einer solchen Entscheidung widersetzen würde. Stattdessen sollten fossile Brennstoffe in eine Verlängerung oder einen separaten Rechtsakt für Übergangstechnologien aufgenommen werden, so die Gruppe.

09.11.2021

Am 9. Tag der COP26 hat Deutschland eine Zusage unterzeichnet, die Finanzierung ausländischer fossiler Brennstoffe bis 2022 zu beenden.

10.11.2021

Reiche Länder / Länder des globalen Norden stellen weiterhin nur ungenügende Mittel zur Verfügung, um Ländern bei der Bewältigung des Klimawandels zu helfen. Diese sind daher weiterhin auf den guten Willen privater Investoren angewiesen.

Erste Veröffentlichungen zeigen, dass die Gruppe der Net-Zero-Asset-Manager deutlich hinter den wissenschaftlich gesetzen Zielen zurückbleibt, die sie erreichen müsste, um ihre CO2-Verpflichtungen zu erfüllen.

11.11.2021

Überraschenderweise haben sich China und die USA darauf geeinigt in Zukunft wieder enger zusammen zu arbeiten, zumindest im Bereich Klima- und Umweltschutz.

13.11.2021

Verhandlungen gehen in die letzte Runde. Bis zum Nachmittag soll eine bisher fehlende gemeinsame Linie gefunden werden.